In unserem Gutachten zum Dacheinsturz an der Elisabethlkirche war die mangelhafte Ausführung der Keilzinkenstöße erkannt worden. Zum damaligen Zeitpunkt lagen aber noch keine experimentellen Untersuchungen zur tatsächlichen Tragfähigkeit vor.
In einem gemeinsamen Forschungsprojekt unseres Büros mit dem Fachgebiet Bauwerkserhaltung und Holzbau der Universität Kassel wurden an eingelagerten Originalbauteilen aus der Elisabethkirche umfangreiche experimentelle Untersuchungen zur Festigkeit von mit Harnstoffharz verklebten Keilzinkenstößen durchgeführt. Der Abschlussbericht wurde jetzt vom DIBT veröffentlicht.
Die Ergebnisse zeigen, dass die mit Harnstoffharz verklebten Keilzinkenstöße eine deutlich reduzierte Festigkeit aufweisen können. Die Biegefestigkeit der Keilzinkung lag bei allen Versuchen im Bauteilmaßstab weit unter der charakteristischen Biegefestigkeit von Vollholz. Das Biegezugversagen trat sowohl in der Keilzinkenverbindung des Steges als auch in den aufgeklebten Flanschbrettern auf.
Dadurch wird die Annahme aus unserem Gutachten bestätigt, dass handwerklich ausgeführte Keilzinkenstöße im Bestand eine unzureichende Tragfähigkeit aufweisen können, auch ohne entsprechende an der Oberfläche der Träger erkennbare Auffälligkeiten. Der Bericht empfiehlt bei den Hinweisen der ARGEBAU zu Harnstoff-Verklebten Holzbauteilen einen Punkt aufzunehmen, der das besondere Risiko bei Keilzinkenvollstößen benennt.
